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BassMuseum: Fender Precision Fl & Fr

Bass Professor 5/2016, Ausgabe 87. BassMuseum: Fender Precision Bässe 1972 Olympic White Fretless und Bird´s Eye Maple Neck fretted

Liebe Leserinnen und Leser, heute kehren mal wieder zu meiner Lieblingsmarke Fender zurück. Wie ich schon vorher im Bass Museum berichtet hatte, hat Leo Fender seine in den vierziger Jahren gegründete Firma 1965 an den großen CBS Konzern für 13 Millionen US-Dollar verkauft. Eine unglaubliche Summe Geld zu dieser Zeit für eine Gitarrenbau-Firma! ...

Liebe Leserinnen und Leser, heute kehren mal wieder zu meiner Lieblingsmarke Fender zurück. Wie ich schon vorher im Bass Museum berichtet hatte, hat Leo Fender seine in den vierziger Jahren gegründete Firma 1965 an den großen CBS Konzern für 13 Millionen US-Dollar verkauft. Eine unglaubliche Summe Geld zu dieser Zeit für eine Gitarrenbau-Firma! Aber CBS hatte sich vom Zukauf dieses Unternehmens viel versprochen. Neben den Presswerken für Schallplatten, Radiostationen und TV-Produktionsgesellschaften wollte CBS ihre Künstler mit Fender-Instrumenten ausstatten, um auch dadurch eine größere Werbewirksamkeit zu erzielen. Der CBS-Konzern hatte es am Anfang nach der Übernahme relativ leicht, die hohe Fertigungsqualität von Fender aufrecht zu erhalten. Die Materialien zur Fertigung von Gitarren und Bässen waren in umfangreichem Maß vorhanden bzw. wurden durch die bestehenden Lieferverträge garantiert. Der Maschinenpark, wie z.B. die Holzfräsen oder Stanzen für die Metallteile in der Fender Factory waren ebenfalls noch gut in Schuss. Auf diese Weise konnte die Produktion ab 1965 ohne größeren Ausfälle weitergeführt werden.

Bass Professor 5/2016, Ausgabe 87. BassMuseum: Fender Precision Bässe 1972 Olympic White Fretless und Bird´s Eye Maple Neck fretted

Doch in den Jahren 1968 bis 1970 setzte eine spürbare Absatzflaute ein. Ob das an den leichten Veränderungen der Fender Gitarren und Bass-Modellen lag, lässt sich aus heutiger Sicht schwer beurteilen. Viele dieser Überarbeitungen waren allerdings sehr positiv. Die Hälse der Jazz Bässe z.B. erhielten ein Binding sowie die bekannten Block Inlays und die Griffbretter der Precision Bässe wurden schlanker. Die Mechaniken lieferte jetzt Schaller aus Deutschland und nicht mehr Kluson aus den USA. Optisch lässt sich der Unterschied schnell am größeren Wirbelkopf erkennen. Sogar die Fender Logos wurden verändert. Die neuen, größeren Transition Logos wurden nicht mehr auf den fertigen Klarlack geklebt, sondern kamen jetzt direkt auf das Holz und wurden anschließend überlackiert. Die Tonabnehmer erhielten zur Fertigungskontrolle einen Datumsstempel auf der Unterseite. Für Sammler bietet das natürlich eine nützliche Hilfe, um schnell festzustellen, ob es sich bei den Tonabnehmern noch um die Originale handelt. Damals diente das aber nur der Qualitätskontrolle! Sämtliche Potis hatten übrigens schon zu Leos Zeiten eine Prägung der Hersteller am unteren Poti-Rand mit Angabe des Herstellungsjahres und der Herstellungswoche.

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Anfang der Siebziger setzte für Fender durch eine weltweit pulsierende Musikszene ein kräftiger Aufschwung ein, die Absatzzahlen stiegen deutlich an. Aus diesem Grund gibt es viele gute Instrumente, die zwischen 1971 und 1974 gebaut wurden. Von CBS wurden noch die gleichen hochwertigen Hölzer wie Erle oder Esche verarbeitet. Bässe aus dieser Zeit sind so leicht wie ihre Artgenossen aus den frühen Sechzigern. Ein Precision Bass wog oft unter 4 kg und der etwas größere Jazz Bass Bruder brachte im Durchschnitt schlanke 4,3 kg auf die Waage. Fender-Bässe waren und sind sehr beliebt und deshalb wurden mit ihnen, nicht nur in dieser Zeit, zahlreiche Rock-, Funk- und Soul-Platten eingespielt. Die Tonabnehmer waren bei den Precision- Bässen in dieser Produktionsphase sehr zuverlässig. Mir sind kaum Bässe aus dieser Zeit bekannt, die schlechte Tonabnehmer hatten. Bei den Jazz-Bässen gab es allerdings den einen oder anderen Fall, dass die Pickups mikrophonisch waren.

Bass Professor 5/2016, Ausgabe 87. BassMuseum: Fender Precision Bässe 1972 Olympic White Fretless und Bird´s Eye Maple Neck fretted

Diese beiden wunderschönen Exemplare wurden lackiert in der Custom Colour Olympic White, die bei den Sammlern recht begehrt ist. Ab 1973 wurden der Swamp Ash Body (also die Sumpfesche) zum Verkaufsrenner, als er nur mit Klarlack überzogen wurde. Der Fender Precision kam in der Fretless Ausführung zum ersten Mal 1970 auf den Markt und ist leider wegen der geringen Nachfrage nicht oft gebaut worden. Dieser hier vorgestellte Fretless Precision ist in einem fast neuwertigen Zustand.

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Löblicherweise hat der Vorbesitzer zur Schonung des Griffbrettes Flatwound-Saiten aufgezogen. Roundwound-Saiten hätten im Lauf der Zeit tiefe Spielkerben im Griffbrett hinterlassen und damit die Tonbildung stören können. Optisch sehr gelungen fi nde ich die Kombination des schönen bundlosen Rosewood- Griffbretts mit dem Tortoise Pickguard. Der bundierte Precision hingegen hat ein weißes Pickguard erhalten, passend zu seinem traumhaften und sehr ausgeprägten Birdseye Maple Neck.

Bass Professor 5/2016, Ausgabe 87. BassMuseum: Fender Precision Bässe 1972 Olympic White Fretless und Bird´s Eye Maple Neck fretted

Im Jahr 1972 wurde bei beiden Bässen noch das alte schlanke Body Shaping verwendet. Ab Mitte 1973 war der Korpus deutlich kräftiger geschnitten. Das ist gut zu erkennen, wenn man von oben auf den Korpus herabgeschaut. Den Fretless habe ich mit schwarzen Nylonsaiten bespannt, die einen warmen, singenden Ton erzeugen, der leicht an einen Kontrabass erinnert. Den Knurrsound von Jaco bekommt man mit einem Precision nicht hin, da ihm der Tonabnehmer an der Brücke fehlt. Aber das muss er ja auch nicht können! Der Bass ist eine wunderbare Alternative zum Jazz Bass Fretless.

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Der Ton steht schön lange, singt und ergibt ein angenehmes Klangbild, natürlich immer mit einer Precision Bass Note. Auch bei ruhigeren Bluessongs ist der Sound ein Genuss. Zurzeit sind ja, zu meiner Freude, bei vielen jungen Basskollegen die Precision Bass Modelle wieder sehr gefragt. Ich habe 1973 noch mit einer günstigen Precision Bass Kopie von Neckermann im Versandhandel für DM 249,– angefangen. Optisch war der Bass sehr gut gelungen, aber für mich brach eine Welt zusammen, als ich 1974 ein großes Queen Live Poster in der Hand hielt. Auf diesem Poster konnte man auf dem Precision Bass von John Deacon sehr gut das große Fender Logo erkennen. Mir war bis dahin nicht klar gewesen, dass ich junger Bassschnösel nur eine Kopie besaß. Allerdings war der Einfl uss von Yes, Deep Purple, Kraan und Genesis auf mich sehr groß, und deshalb musste ein schwarzer Rickenbacker 4001 her. Bei den Schützenfestbands, die ich damals mit Interesse beobachtete, waren jedoch oft Fender-Bässe im Einsatz. Deswegen fand ich die Bässe anfangs völlig uncool, was aus heutiger Sicht natürlich völliger Blödsinn ist. Doch seit 1979 hatte ich immer einen Fender Precision im Haus! In diesem Jahr spielte Sting bei „The Police“ einen Precision Bass Fretless. Ich war so mutig und kaufte mir ebenfalls einen 79-iger Precision als Fretless, der mir leider nicht viel Freude bereitete. Das lag weniger an dem Instrument als an meinen spielerischen Fähigkeiten auf einem bundlosen Bass. Die sind mittlerweile um einiges besser geworden, aber man einen bundlosen Bass spielt und dazu auch noch singen muss, ist man als Anfänger ganz schön aufgeschmissen. Ohne helfende Linien auf dem Griffbrett ist es sehr schwer, während des Spielens den richtigen Ton und die richtige Intonation zu finden

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Das Spiel auf dem Fretless Bass habe ich erst Jahre später erlernt als ich einen Wal Double Neck Bass gespielt habe. Der Hals des Fretless Basses hatte faked lines auf dem Griffbrett, was die Sache sehr erleichtert hat. Dank viel Übungsund Spielpraxis läuft das Spiel auf dem Fretless fast wie geschmiert.

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Ich war positiv überrascht von diesem Fender Precision Fretless, denn ich konnte mich noch sehr gut an meine ersten Versuche auf diesem Bassmodell erinnern. Also nicht verzweifeln, wenn es mit der Spielerei auf einem Fretless nicht gleich klappen will, Übung macht den Meister.

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Der bundierte Precision mit dem Maple Neck hat einen etwas mittigeren Sound als sein Kollege mit dem Rosewood Neck; deswegen sah man in den damaligen Rockbands oft Precision Bässe mit Ahornhälsen. In der Funk Musik oder beim Slappen sind Maple Necks einfach unschlagbar, sie klingen sehr druckvoll, sehr knallig und sind auch auf unzähligen Scheiben dieses Genres zu hören. Bei Precision Bässen mit einem Palisander Griffbrett (Rosewood) fi nde ich den Sound etwas sauberer und klarer. Ich mag aber beide Varianten! Bei dem einteiligen Ahornhals ist von hinten der Strunk Stripe zu sehen, der Spannstab für den Hals wurde hier von hinten eingesetzt und anschließend mit dunklem Walnussholz wieder verschlossen. Bei der Rosewood-Halsbauweise kann erst der Spannstab in den Hals eingesetzt werden und dann das Griffbrett von oben aufgeleimt. Ein Precision Bass zeigt oft deutlich, ob ein Kollege gut spielen kann oder nicht. Da gibt es weder einen doppelten Boden zum Verstecken noch eine aktive Elektronik, die alles kräftiger und druckvoller anbieten kann. Hier kommt der Ton und Sound aus den Fingern! Ich denke oft an Leo Fender, wenn ich mit einem Precision Bass das Haus verlasse, um zu einem Gig zu fahren oder zuhause im Studio Aufnahmen tätige. Da hat der Mann aus Kalifornien einen perfekten Bass erfunden. Ein sehr musikalisches und musikdienliches Instrument mit einem ehrlichen und zeitlosen Ton. Man höre sich Platten an wie „Dark Side of the Moon“ oder „Meddle“ von Pink Floyd, wo Roger Waters Bass spielt. Mit einem anderen Bass-Sound sind diese Klassiker nicht vorstellbar!

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In den siebziger Jahren wurde sogar auf den Plattencovern vermerkt, wenn ein Fender Bass zum Einsatz kam. Wenn eine Band auf der Bühne in einer disziplinierten Lautstärke spielt, kann ein Fender Bass für ein perfektes und abgerundetes Klangbild sorgen. Leo Fender hatte, wie wir wissen, mit Rockmusik nichts am Hut. Es ist daher umso bemerkenswerter, wie stark sich sein Wirken auf die Rockmusik ausgewirkt hat. Auf viele Sachen kann man im Leben ruhig verzichten, aber auf Fender Precision Bässe eben nicht – vor allem, wenn sie noch so schön sind wie diese beiden Sweeties.

Soundfiles

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Bass Professor 5/2016 - Ausgabe 87, Seite 74




 

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