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Bass Museum: Gibson RD Artist

BassMuseum von Hermann Eckholt - The Bass Hunter. Heute möchte ich mit euch im BASS MUSEUM wieder zu den Gibson-Bässen abtauchen. Im Vergleich zu den Fender-Spielern ist die Anzahl derer, die den Gibson-Bässen verfallen sind, bekanntlich ja deutlich kleiner. Der Grund: Sound und die Bespielbarkeit sind nicht immer jedermanns Sache – da sind Leo Fenders Entwürfe deutlich gefälliger. (inklusive Audiofiles!)

BassMuseum von Hermann Eckholt - The Bass Hunter. Heute möchte ich mit euch im BASS MUSEUM wieder zu den Gibson-Bässen abtauchen. Im Vergleich zu den Fender-Spielern ist die Anzahl derer, die den Gibson-Bässen verfallen sind, bekanntlich ja deutlich kleiner. Der Grund: Sound und die Bespielbarkeit sind nicht immer jedermanns Sache – da sind Leo Fenders Entwürfe deutlich gefälliger.

Es gibt ja wirklich viele Bass-Extreme bei Gibson. Die Thunderbirds, die ich euch ja schon vorgestellt habe, rangieren hier noch immer an der Spitze der Beliebtheitsskala. Dann gibt es noch die Shortscale-Liebhaber, für die ein schöner geschmeidiger EB-3 Bass, wie Jack Bruce ihn bei Cream in den Sechziger Jahren spielte, zu den absoluten Highlights zählt. Und zuletzt gibt es noch die stets brauchbaren und gut klingenden Arbeitsmaschinen wie die Grabber- oder Ripper-Bässe.
 
Aber die Bassbauer bei Gibson ließen im Jahr 1977 nach ihrem großen Erfolg im Jahr zuvor mit der Bicentennial Thunderbird-Wiederaufl age zur 200-Jahr-Feier der USA keine Ruhe, und brachten kurzerhand die RD-Bassserie heraus – parallel übrigens zur Gitarrenserie. Diesen neuen Bass, welcher optisch zwischen einer Explorer-Gitarre und einem Thunderbird rangierte, gab es in zwei Versionen: Den Standard mit zwei Singlecoils im Passivbetrieb, und dann das exklusive Artist Model – wie der vorliegende RD Artist in schönem Sunburst aus dem Jahr 1979.

Der RD Bass war in drei Farben erhältlich: Fireburst (Sunburst), Ebony (Schwarz) und Natur. Die farbigen Bässe gab es nur mit Ebenholz-Griffbrett, beim naturfarbenen Modell kam Ahorn zum Einsatz.

Zuerst fallen die großen schwarzen in Plastik vergossenen Humbucker auf. Diese Tonabnehmer- Bauweise gegen Mitte der Siebziger Jahre ist richtig gut. Die Pickups sind sehr ausgewogen in ihrem Ton und verfügen über ordentliche Power. Bei diesem Artist Model ging Gibson aufs Ganze; dieses Luxus-Modell ist komplett aktiv. Vielleicht weil zu der Zeit schon Music Man mit ihrem neuen aktiven Stingray auf der Erfolgsstraße unterwegs waren. Gibson gehörte in dieser Zeit übrigens zum Norlin-Konzern, dem auch Moog Music angeschlossen war. Diese Synthesizer-Experten entwickelten die große Elektronik, die von hinten mit einer großen schwarzen Verkleidung verdeckt wurde. Um die Batterie zu wechseln, braucht man lediglich ein kleines Fach zu öffnen – und das nicht gerade selten, denn die große Elektronik ist ein wahrer Batteriefresser! Eigentlich ist der Bass mit 9 Volt sogar schlicht unterversorgt. Öffnet man hingegen aus Neugierde die große Abdeckplatte, kann man nur staunen, was die Moog-Leute dort für eine Riesenplatine eingebaut haben!

Der Hals besteht aus drei Streifen Ahorn und wurde Gibson-typisch in den Korpus verleimt. Der Korpus wurde wegen seiner Größe aus zwei bis drei Stücken massiven Ahorns gefertigt. Bevor die RD Serie um 1982 eingestellt wurde, gab es sogar einige Bässe mit ausgesuchten Maple Tops. Diese trugen dann die Bezeichnung CMT (= Curly Maple Top, eine „gelockte Ahorndecke“). Diese Bässe hatten zudem noch eine leicht veränderte Elektronik und sind heutzutage sehr selten zu finden. Die massiven Maple Bodies sind kräftig, dick und daher leider auch unglaublich schwer. Unser Exemplar bringt etwas über 5 kg Lebensgewicht auf die Waage.
 

Bei den naturfarbenen Bässen ist der Hals mit einem aufgeleimten Maple-Griffbrett versehen, die dunkel lackierten Modelle bekamen meistens ein Ebenholz-Griffbrett. Nach den vielen Kopfplattenbrüchen bei Thunderbird-Bässen entschied sich Gibson, den Hals-/Kopfplattenübergang hinten am Hals mit der sogenannten „Nase“ zu verstärken. Dadurch wurde der Bass an dieser Stelle gegen Brüche wesentlich stabiler.

Der RD Bass ist definitiv nichts für kleine Leute: Er ist schon ein richtig langes Bass- Monster, aber dafür hat er einen wunderbar bespielbaren Hals. Über die kantige große Kopfplatte, die eindeutig an die Les Paul angelehnt ist, könnte man stundenlang streiten, die ist reine Geschmacksache. Dafür sind jedoch die Perlmutt-Einlagen in der Kopfplattenmitte besonders schön gelungen.

Die schwarzen Potiknöpfe passen hervorragend zu dem kleinen in der unteren Basshälfte montierten Schlagbrett. Pro Tonabnehmer steht ein Volume-Poti zur Verfügung, und als besonderen Clou bekam der Bass einen 2-Band EQ gestiftet. Mit diesem kann man die Bässe und Höhen um maximal 15 dB anheben oder absenken. Wahrscheinlich hatte man hier dem Music Man Stingray auf den Body geschaut, der bekanntlich als erster Aktivbass mit einem 2-Band EQ gilt.

Hinter der typischen Gibson-Brücke – beim RD Bass kann man die Saiten ja auch durch den Korpus ziehen – liegen zwei Schalter. Der untere schaltet zwischen den Tonabnehmern hin und her, der andere hat zwei Soundfunktionen: Nach vorn gelegt werden die Höhen angehoben. Das ist besonders dankbar bei der Daumentechnik. In unserem Soundbeispiel kann man gut hören, wenn nach zehn Sekunden der Schalter nach vorn geschoben wird. Nach hinten gelegt wird die Compression/ Expansion-Funktion aktiviert, wobei die Kompression nur auf den Halspickup, und die Expansion nur auf den Stegpickup wirkt. Sind beide an, wird am Hals komprimiert und am Steg expandiert, was den Anschlag heraushebt, den Ton dann aber schneller verebben lässt. Komprimiert und gehalten wird nur das Signal am Hals – große Klasse zum Beispiel bei Balladen!

Da sind wir auch schon beim wichtigsten Faktor: dem Sound. Die Ansprache ist ahorntypisch flott und sehr direkt. Der hintere Tonabnehmer an der Bridge klingt angenehm knurrig. Beide zusammen knallen so richtig – kein Wunder, dass diese Pickup-Position sehr gut zum Slappen geeignet ist. Nun gut, vielleicht nicht gerade für Mark King-mäßiges Highspeed- Gedonner, aber für Disco- und Funky- Zeug aus den 70ern sehr brauchbar. Der Halstonabnehmer liegt für meinen Geschmack etwas zu weit vorne, um allein gespielt einen ausgewogenen Ton zu erzeugen. Die Bässe am Poti etwas weiter zurückdrehen, dann funktioniert es – aber optimal ist das leider nicht!

Ich habe mir 1978 einen RD Artist für DM 1.390,- inklusive des speziellen langen Koffers gekauft. Kauft niemals einen alten RD Bass ohne Koffer, denn der passt garantiert in keinen Standard-Koffer. Als Thunderbird-Spieler war es damals quasi ein Muss, sich diesen RD Artist zu kaufen. Ich habe den richtig geliebt und gern gespielt. Aber das hohe Gewicht und dazu die Überlänge – das war auf kleinen Bühnen echt auf Dauer einfach zu nervtötend. Daher war ich letztlich glücklich, als ich den Bass 1979 wieder verkauft hatte, um mir einen Music Man Stingray zu kaufen.

Ich muss aber gestehen, ich habe in den letzten 20 Jahren zweimal wieder einen Anlauf unternommen, um mit einem RD Artist wieder warm zu werden. In meinem Blues-Trio konnte ich den Bass gut einsetzen, aber im Vergleich zu einem Precision fehlen einige wichtigen Frequenzen, um die Band optimal zu führen. Die Klangregelung vom RD spricht super an, es lassen sich ebenso kellertiefe Bässe wie kristallklare Höhen realisieren, aber man müsste schon am Amp nachdrehen, um das große Loch im Mittenbereich zu kompensieren. Da kam ich mit meinem Precision wesentlich weiter im Trio.


Trotzdem: Der RD hat definitiv Charakter! Er verfügt über einen angenehmen warmen und vollen Basston, den man so nicht alle Tage hört. Wer dazu noch auf Bässe steht, die nicht an jeder Imbissbude gespielt werden, wie ich es eigentlich auch vorziehe, der könnte im RD Artist durchaus einen guten und außergewöhnlichen Freund finden.

Der RD Artist mit Ebenholz-Griffbrett klingt übrigens ganz anders als sein Kollege mit Maple-Griffbrett. Die Bässe mit dunklem Board sind sauberer im Ton und klingen wesentlich höhenbetonter. Meine Soundclips zu dieser Ausgabe stammen alle von diesem Sunburst RD Artist.

Merkwürdig am Markt ist folgende Beobachtung: Vor vielen Jahren bekam man hier und da den Bass mit Koffer manchmal für richtig kleines Geld geradezu hinterher geschmissen. In England z.B. sieht man die Bässe heutzutage aber nicht mehr unter 1700,- Pfund, und für ein mint condition-Exemplar werden in den USA schon mal über $ 3000,- aufgerufen. Scheinbar wurde der Bass zum Kultobjekt, nachdem er durch die Band Nirvana wieder bekannter gemacht wurde. Im Normalfall ist man mit ca. $ 1800,- kauftechnisch am Ziel. Zu seiner Zeit war der Bass für Gibson leider ein großer Flop, noch deutlich schlimmer traf es das passive Standard Model, welches sehr früh wieder aus dem Gibson-Katalog verschwand. Dank Nirvana gibt es den Bass jetzt allerdings wieder in einer modernen Ausführung.

Bis zum nächsten Mal, euer Bass Hunter

Soundfiles:

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(BP1/2013 - Ausgabe 68, Seite 72)

Hauptkategorie: BP 1/2013 - Ausgabe 68

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