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BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)


Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Ausgerechnet Mike Rutherford, Bassist und Gitarrist bei der legendären englischen Band Genesis, brachte durch Gespräche mit Ned Steinberger den Stein ins Rollen. Mike hatte 1983 für seine Band Genesis und seinen Gitarristen-Kollegen Daryl Stuermer im Rahmen eines Endorsements einige Steinberger-Bässe und -Gitarren bekommen. Vom Sound der Instrumente waren sie absolut begeistert, aber Mike war nach einiger Zeit der kleine Korpus ein Dorn im Auge. Das ist kein Wunder, denn bei einer Körpergröße von fast zwei Metern wirkte so ein Paddel auf der Bühne doch recht mickrig. Er äußerte gegenüber Ned Steinberger in New York den Wunsch, einen Steinberger Bass und eine Gitarre mit einem größeren Korpus zu spielen. In Zusammenarbeit mit Mike Rutherford hat Ned Steinberger die erfahrenen Gitarrenbauer Roger Griffin und Geoff Banks damit beauftragt, einen schönen und handlichen Korpus zu entwerfen, der die Grundlage für die XMBässe bzw. die GM-Gitarren werden sollte. Wer auf die Idee gekommen ist, die Korpuskante des Bodies mit einem Binding zu verschönern, lässt sich nicht mehr genau sagen. Es ist allerdings gut möglich, dass Mike Rutherford höchstpersönlich diesen Binding- Wunsch geäußert hat. Denn in der Anfangszeit bei Genesis hat er bekanntlich Rickenbacker- Bässe gespielt, die dieses markante Feature tragen. Später baute ihm Rickenbacker sogar atemberaubende Double Necks, da Mike oft zwischen dem Bass und der Gitarre wechseln musste. Nach Rickenbacker spielte Mike übrigens gegen Mitte der Siebziger Jahre die in England gebauten Shergold Double Neck Instrumente. Diese konnten in der Korpusmitte sogar durch eine Klemm-Mechanik getrennt werden, je nach Bedarf wurde eine sechs- oder zwölfsaitige Gitarre auf den unten liegenden Bass gesteckt. Eine ungewöhnliche, aber sehr gute Idee.

Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Der hier vorgestellte Bass trägt die Bezeichnung XM-2A. Die „2“ verrät uns, dass der Bass mit zwei Tonabnehmern bestückt ist. Das „A“ steht für „aktiv“. Die Bässe waren stets mit aktiven EMG-Humbuckern bestückt und müssen mit einer neun Volt-Batterie betrieben werden, in der A-Variante kommt ein aktiver Ein-Knopf-EQ dazu. Bei der Standardelektronik gab es dann nur eine Höhenblende wie bei passiven Bässen.

Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Der XM-2A wirkt auf den ersten Blick eher zierlich. Der Korpus hat zwei schlank geschnittene Cutaways und ein angenehmes Shape an der Armauflage. Die typische Steinberger-Brücke ist gut zu erreichen und eine große Übersetzung sorgt für ein feines und sehr genaues Stimmen. Der Korpus zeigt besonders hier eine gut durchdachte Formgebung. Trotz der Dicke des Korpus, ist der aus Ahorn gefertigte Body federleicht und sehr handlich. Es ist durchaus möglich, dass diese sehr gut verarbeiteten Bodies von Gibson für Steinberger angefertigt wurden. Das würde auch die Gibson typische Umrahmung der Humbucker erklären, die den Rahmen einer Gibson Les Paul sehr ähnlich sieht. Mit zwei Justierschrauben lässt sich die Höhe der kraftvoll und gut klingenden EMG Humbucker einstellen. Die drei Potis sind ebenfalls gut zu erreichen. In der ersten Position liegt der Master Volume, dann folgt in der Mitte das Balance Poti für die beiden Tonabnehmer und am Ende befindet sich das „Zauber- Poti“ – dazu gleich mehr.

Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Wenn man diesen Bass auch nur ein paar Augenblicke spielt, wird einem schnell klar, warum beispielsweise Bill Wyman, damals noch Bassist bei den Rolling Stones, diesen XM-2A Bass nach Erhalt im Jahr 1987 niemals mehr bei seiner Bühnen- und Studioarbeit aus der Hand legte. Kommen wir nun zu dem „Zauberpoti“: Die Bass- und Höhenanhebung wird von einer Mittelposition aus mit einem einzigen Poti reguliert. Das ist sehr effektiv und macht von Anfang an großen Spaß, denn mit diesem Poti lässt sich der Sound nach Belieben perfekt und effektiv anzupassen. Dreht man das Poti nach links, bekommt man mehr Höhen. Dreht man in die andere Richtung, wird der Ton bassiger während die Höhen beschnitten werden. Gleichzeitig erhalten die Mitten mehr Präsenz. Bill Wyman spielt ja in der jüngsten Vergangenheit in seiner Solo-Band überwiegend Bluesmusik. Da wäre natürlich eigentlich ein pumpender Fender-Bass angesagt. In seinem Fall übernimmt der Steinberger den Job, der Bass drückt ohne Ende. Ich denke, man verliebt sich schnell in diesen schlanken und schmalen Hals. Obwohl der Hals eine ausgeprägte D-Form aufweist, ist das Griffbrett schmal und bleibt bis in den höheren Lagen schlank und gut bespielbar. Durch den Graphit- Hals werden Dead Spots vermieden. Dead Spots – das sind jene toten Töne, die bei einigen Holzhälsen leider deutlich zu hören sind. An diesen Stellen kippt der gespielte Ton schnell weg und klingt nicht nach. Was sich beim nächsten Ton auf dem Griffbrett wieder ändern kann. Dank des Graphits bei unserem Kandidaten findet sich davon keine Spur.

Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Um Dead Spots zu vermeiden, hatten in den USA schon seit Mitte der siebziger Jahre kreative Entwickler von Modulus Graphite für Alembic die ersten Basshälse aus Carbon-Graphit gefertigt. Ned Steinberger hat gegen Ende der Siebziger diese Idee für sein Bass-Paddel wieder aufgegriffen, perfektioniert und den kompletten Bass aus diesem harten und langlebigen Material gebaut. Die Carbonfaser hat, in Kombination mit Kunstharz vergossen, eine höhere Materialdichte und Stabilität als Holz. Bei Status-Bässen kann man durch die transparente Kunstharz-Gussmasse die innen liegenden Carbonfasern sehr gut erkennen. Diese Hälse verziehen sich nur wenig und bleiben meistens in ihrer Position. Man hat beim Spielen das Gefühl, dass die Töne zudem schneller und direkter erklingen.

Der XM-2A hat ein zudem ein angenehm leichtes Gesamtgewicht, das bei knapp vier Kilo liegt. Und dank der gelungenen Korpusform kann er auf der Bühne am Gurt oder über Stunden im Studio angenehm gespielt werden. Das Headless-Design erweist sich als praktisch auf engen Bühnen oder Proberäumen und beim Transport. Das Wechseln der Saiten erledigt sich aufgrund der ausgeklügelten Brückenkonstruktion übrigens im Handumdrehen.

Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Die Halsverschraubung auf der Korpusrückseite wirkt auf den ersten Blick etwas klobig. Aber die Griffbretthöhe wurde perfekt auf die Steinberger-Bassbrücke am Korpusende angepasst. Eine fl ache Saitenlage ohne lästige Nebengeräusche lässt sich gut einstellen, da der Hals sehr gerade verläuft. Die großen Böckchen für die Saiten werden mit nur einer Inbusschraube in ihrer Höhe verstellt.

Die Kombination aus einem Ahornkorpus und einem Graphit-Hals finde ich hier sehr gelungen. Natürlich drängen sich hier Vergleiche auf zum legendären englischen Status Serie 2. Der Status Serie 2 ist ebenfalls ein Headless-Bass. Allerdings besitzt er einen durchgehenden Hals, der mit Holzfl ügeln versehen wurde, um dem Bass ein ansprechendes Design zu geben. Soundlich fallen die Holzflügel allerdings kaum ins Gewicht. Später stellte Status Serie 2-Modelle her, die komplett aus Graphit gefertigt wurden. Diese klangen sogar identisch zu ihren Kollegen mit den Hölzern.

Der Steinberger XM-2 Bass war in drei Farben erhältlich. In weißem Finish mit schwarzem Binding, in einem kräftigen Rot und (wie dieser Bass hier) mit elegantem, schwarzem Klavierlack. Es gab sogar einige Bässe als fretless und einige mit dem abgefahrenen Trans Trem Tremolo. Die Seriennummer und der Hinweis „Steinberger USA“ sind am Halsende an der unteren Halskante eingestanzt.

Bass Professor 1/2017 - BassMuseum: Steinberger XM-2A (1987)

Auf der Korpusrückseite befindet sich noch ein eingelassener Kunststoffdeckel. Hinter diesem sitzt die Verdrahtung der Potis und die 9V-Batterie in einer Klemme zum Austauschen. Die Ausgangsbuchse sitzt seitlich in der Korpuszarge. Es gibt für diesen Bass als Tasche für den Transport ein wirklich schönes Form-Gigbag, das genau in der Bassform gefertigt wurde. Das Jahr 1987 war für Steinberger die Zeit der großen Veränderung. Ned hat seine Company komplett an Gibson Guitars in Nashville verkauft. Ich war im Jahr 1993 dort und habe die Reste von Neds ehemaligem Workshop aus New York gesehen. Das berühmte Paddel, der legendäre L2-Bass, wurde noch bis in die neunziger Jahre dort gefertigt. Doch die Fertigung des eigentlich viel besseren XM Basses wurde, mangels Unterstützung durch gute Werbung, leider viel zu schnell eingestellt. Daher sind diese Exemplare kaum zu finden. Wer einen XM-2 Bass sein eigen nennt, behält ihn. Wenn man dann mal einen erwischt und anspielt kann, ist die Begeisterung für diesen Bass schnell da und man fragt sich dann, warum es so einen guten und perfekt durchdachten Bass nicht mehr zu kaufen gibt?

Soundfiles

sf_ico_s both, bridge
 

sf_ico_s bridge, neck
 

sf_ico_s both, middle
 

sf_ico_s both pu, +bass
 

sf_ico_s both pu, -treble
 


Vielleicht ist dieser gute XM-2 Bass ein Übernahme- Opfer? Seine Zeit auf den Markt war wohl einfach zu kurz, um sich zu entfalten und bei den Bassisten bekannt zu werden. Fest steht allerdings, dass dieser Bass einfach phantastisch ist, er hat einen exklusiven und erdigen Ton. Er ist lebendig und es macht großen Spaß auf ihm zu spielen, jede Minute ist ein Genuss. Was will man mehr? Vielleicht noch einen weiteren XM-2A in Weiß für den Walk durch den Schnee? Übrigens hat sich der Bass nach der Fotosession im Schnee bei Minusgraden nicht verstimmt, Respekt!


 
Bass Professor 1/2017 - Ausgabe 88, Seite 60




 

Bass Talk

BS: 52er



Der Mythos von Fender ist ungebrochen! Immer wieder erreichen uns Anfragen, mehr über ältere Fender- Bässe zu berichten. Natürlich kommen wir diesem Wunsch gern nach und präsentieren euch hier ein erlesenes Schmuckstück aus den Anfangstagen des elektrischen Basses. Der E-Bass wurde ja „nur“ deshalb erfunden, weil Gitarristen Kontrabass spielen sollten. Für die Vielzahl der Gitarristen gab es in der Mitte des letzten Jahrhunderts zu wenig Jobs. Dafür gab es einen Mangel an Kontrabassisten. Also baute Leo Fender 1951 den Fender Precision Bass, nachdem er erst im Jahr zuvor seine erste E-Gitarre der staunenden Weltöffentlichkeit vorgestellt hatte.

1952 Precisionbass

Bass Special


An einem Höfner Beatle Bass kann man sich einfach nicht sattsehen! In Ergänzung zum BASS MUSEUM, dass euch einen seltenen Höfner 500/1 aus dem Jahr 1963 zeigt, könnt ihr euch hier von einem Exemplar aus dem Jahr 1965 die Augen massieren lassen. Auf den Bildern kommt die schöne Korpusform mit den typischen Haarrissen besonders gut zur Geltung. Ebenso die großen Pickup-Rahmen und das Hals-Binding, das erstmals ab 1964 eingesetzt wurde. Das Perlmutt-Schlagbrett ist wunderbar nachgedunkelt und passt zum kleinen Elektronik-Fach. Das Finish ist bei diesem alten Exemplar besonders schön und – wie die Beatles, die uns hier in Form kleiner Figuren begegnen – einfach zeitlos!

Höfner Beatle Bass

BS: Yin/Yang

Service:



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