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BassMuseum: Charvel Bass




Auf dem tollen Cover sah man Eddie van Halen mit einer eigentümlichen Gitarre posieren, auf dem Cover steht “Special thanks to Wayne Charvel.”, in dessen Laden Eddie sehr viel rumgehangen hatte, und wo er auch den Korpus und den Hals für seine auf dem Cover zu sehende mittlerweile legendäre Frankenstrat gekauft hatte. Sein Kollege Michael Anthony schwang einen Bass in einem Two Tone Sunburst, mit einem Chrom Pickguard nebst einem Rosewood Neck. Den meisten Bassisten wurden die Charvel Bässe aber auf einen Schlag erst bekannt durch den Rockpalastauftritt der bärtigen Texaner von ZZ Top in der Essener Grugahalle im Jahr 1980. Dort spielte Dusty Hill auf einem schwarzen Charvel Bass in Telecaster Form mit einem Pick Up und einem auffälligen weißem Korpus-Binding.



Aber wer war diese damals neue und hier völlig unbekannte Firma, die hauptsächlich Fenderartige Instrumente mit sehr ausgesuchten Hölzern baute? Um diese Frage zu beantworten, machen wir eine kleine Zeitreise. Wir befi nden uns in den USA in der Mitte der siebziger Jahre. Der ehemalige Fender-Mitarbeiter Wayne Charvel unterhielt damals in Azusa im Großraum Los Angeles eine sehr beliebte Reparaturwerkstatt für Gitarren und Bässe. Neben Einstellarbeiten, Umbauten und Tonabnehmerbestückungen, führte er auch hochwertige Lackierungen durch und begann schließlich damit, eigene Gitarren zu bauen. Die dafür benötigten Holzteile ließ er sich von Schecter und Boogie Guitars liefern. Mit der Zeit wurden seine Gitarren, die sich stark an der Fender Schraubhals-Variante orientierten, immer beliebter bis Wayne Charvel 1978 seine trotz des Erfolges fast bankrotte Firma an Grover Jackson verkaufte. Schon bevor die Sache unter dem Charvel Logo richtig losging, lieferte Grover Jackson Hälse unter anderem an Mighty Mite und DiMarzio. Mighty Mite war neben Schecter damals schon sehr beliebt und bekannt für Ersatzteile und Korpusse. Larry DiMarzio versorgte Charvel später auch mit seinen Tonabnehmern. Die ständig wachsende Firma hatte gute Verbindungen zu anderen Edel-Herstellern und erweiterte dadurch ihre Einkaufsquellen für gute abgelagerte Hölzer. Gegen Ende der Siebziger wurde verstärkt unter eigener Flagge eine Gitarre in einer leicht veränderten Stratocaster-Form auf den Markt gebracht. Die Gitarre war statt der üblichen drei Singlecoils mit einem einzigen Humbucker in der Stegposition bestückt und verfügte lediglich über ein Volume- und ein Ton-Poti. Dafür konnte sich nicht nur der anfangs erwähnte Eddie van Halen begeistern, der im Alleingang für die Nachfrage nach diesem Modell gesorgt hatte! Selbst Weltklassegitarristen wie David Gilmour von Pink Floyd oder Pete Townshend von The Who griffen nach diesen Edelgitarren mit dem schier endlosen Sustain. Ein Musikgeschäft in der Talstraße in Hamburg hatte damals den deutschen Vertrieb für die Charvel Instrumente übernommen. Aus diesem Sortiment stammt auch der hier gezeigte, schöne Charvel Bass. Glaubt ja nicht, der wäre gleich in diesem prächtigen Pink geboren worden! Dieser Bass ist tatsächlich so verblichen und hat jetzt diese fetzige Bühnenfarbe angenommen.

Anbei ein Werbefoto aus der damaligen Zeit mit der Originalfarbe dieses Instrumentes, ein kräftiges Rot mit dem schönen Binding. Nicht nur die Farbe spricht einen an, das ganze Instrument geht gleich mit Schwung auf einen los. Federleicht mit seinen schlanken 3,7 kg Gewicht lädt der Bass zu langen Spielsessions förmlich ein. Das Halsshaping ist identisch mit einem rechtflachen und breiten Fender Ahornhals vom Ende der Fünfziger Jahre. Schmale Vintage Frets geben einem ein tolles Spielgefühl. Dieser bräunliche Sattel oben am Griffbrett war damals typisch für Charvel. Dann die fantastischen Grover Stimmmechaniken (keine Verwandtschaft zu Grover Jackson…) mit ihrer feinen Übersetzung, perfektes Stimmen ist hier Alltag. Der leichte Erle-Korpus sorgt für gutes Sustain und eine auffallend direkte und schnelle Ansprache des Basses. Dieser Bass scheint mit DiMarzio Tonabnehmern bestückt zu sein, was sich aber nicht zweifelsfrei bestimmen lässt. Im Inneren sind DiMarzio Potis zu fi nden, deswegen gehe ich davon aus, dass die Pick Ups auch von ihm geliefert wurden. Vom Output her fällt auf, dass der Bass etwas leise daher kommt, deswegen muss am Amp etwas nachgeholfen werden um auf ordentlich Power zu kommen. Den vorderen Abnehmer fi nde ich sehr gelungen, dieser klingt auch in seiner Position wie ein guter alter Fender Bass - knochentrocken und mit einem angenehmen Mittenanteil. Die Höhen sind leicht bedeckt und manchmal fast etwas muffi g. Aber alles noch im Rahmen. Der hintere Jazz Tonabnehmer ist dagegen total Jaco-mäßig unterwegs. Knurrt einem das Hemd weg, unglaublich! Ich habe mir oft die Frets für einem Moment lang weggewünscht – was wäre das für ein Fretless- Ton! Perfekt, und das auf einem Maple Hals! Da bleibt kein Wunsch offen, aber natürlich mit Frets auch toll zum Abknurren geeignet. Die Zusammenschaltung beider Pick Ups gefällt mir leider nicht so. Das ergibt keinen typischen und gewohnten Jazz Bass Humbucker Punch sondern klingt irgendwie nach knapp am Ziel vorbeigeschossen. Auch im Bandeinsatz ein „no go“. Da löst sich der gute Charvel förmlich in Luft auf und ist fast unhörbar – sehr komisch, vermutlich eine Out-of-Phase Verdrahtung?! Wählt man die Pick Ups aber wieder einzeln an, ist die Welt schnell wieder in Ordnung. Der Charvel ist ganz klar ein Bass für Rocker. Für Slap Freunde ist dieser Bass nicht so ideal. Das klatscht und patscht wie bei einer Wasserfontäne. Das können andere Bässe deutlich besser! Trotzdem bleibt dieser nur in seiner Farbe verblichene Charvel Bass etwas ganz Besonderes. Muss denn ein Bass immer ein Alleskönner sein? Ich denke nicht! Er ist und bleibt immer ein besonderer Exote seiner Zeit, in der Fender vielleicht nicht gerade ihre



Glanzstunden in Sachen Bass- und Gitarrenbau hingelegt haben. Die Gitarren und Bässe von Charvel waren damals sehr teuer und blieben für die breite Masse eher unerschwinglich, zumal die Lieferzeiten extrem lang waren. Grover Jackson hatte mit Jackson Guitars Mitte der achtziger Jahre seine zweite Firma eröffnet. Dort gab es für die Fraktion der Rockgitarristen extreme Formen, die mit dem kleinen Sortiment von Charvel nicht harmonierten. Um der ständig wachsenden Nachfrage nachzukommen, verlagerte Grover Jackson die Produktion beider Marken nach Japan. Dort konnte wesentlich günstiger hergestellt werden und eröffnete somit für die sehr beliebten Gitarren und Bässe in einem günstigeren Preissegment ganz neue Märkte. Im Jahr 1989 verkaufte Jackson die gesamte Produktion an den japanischen Hersteller. Die in San Dimas gebauten USA Charvel Gitarren gab es also nur bis 1986.



Auf dem Gebrauchtmarkt sind die so gut wie nie zu fi nden und es gibt keinen Zweifel, dass alte Charvel Instrumente lange zu den beliebtesten und am meisten kopierten Gitarren und Bässe zählten. Zudem bewegte sich die Firma stets an der Grenze zur Illegalität, denn die Bodyformen und Parts, vor allem das Design der Kopfplatte, sind von Fender geschützt. Es war daher eine große Überraschung, dass im Jahr 2002 die alte Kultmarke Charvel in den USA wieder auftauchte. Dies verdankte die Marke ausgerechnet Fender, die die Rechte an Charvel und Jackson Guitars erworben hatte und neben der Produktion in Japan (bis 2011), China (ab 2011) und Mexiko (ab 2013) in USA wieder eine Art Custom Shop für Charvel Gitarren eingerichtet hat. So schließt sich auf eine seltene Weise ein Kreis der ehemaligen Fender-Kopierer, durch wiederum kopierte Fernost-Fälschungen der Marke Charvel und wieder zurück in das Ursprungsland, wo die Ideen für diese Instrumente entstanden: zu Fender! An dieser Stelle sei mir noch eine Anmerkung erlaubt: vor einigen Tagen sind die ersten Bässe aus der Sammlung von Uli Salm in USA durch das Auktionshaus Heritage versteigert worden. Seine große Sammlung wird häppchenweise über mehrere Auktionen verteilt angeboten und so kann es passieren, dass euch in einer der Versteigerungen demnächst dieser schöne alte Charvel Bass wieder begegnet.



Wenn der Preis dann noch passt, solltest ihr eventuell darüber nachdenken, dieses seltene Stück Gitarrenbaukunst vielleicht ein zweites Mal nach Deutschland zu holen. Allerdings ohne diesen wunderschönen und zur Korpusfarbe perfekt passenden tropischen Bildhintergrund, denn dieser war eine Sonderaktion in der Einkaufsmeile MEP in Meppen, die wir benutzten durften. Ich möchte mich an dieser Stelle recht herzlich bei dem Team bedanken und hoffe auch in Zukunft auf passende Dekorationen. Also auf in wärmere Gefi lde, den Winter hier einfach vergessen - mit diesem mittlerweile pinkfarbenen Charvel Bass kann man den Winter einfach ausblenden, indem man sommerliche Reggae Grooves spielt. Ihr dürft euch auch schon auf die nächste Folge freuen. Der Bass, den ich euch dann vorstellen möchte, ist erheblich teurer als das hier gezeigte Schätzchen! Freut euch drauf!

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Beide Pick Up's


Bridge


P Bass




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