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BassMuseum: Musician Serie von Ibanez


Bass Professor 1/2019, Ausgabe 97. BassMuseum: Musician Serie von Ibanez

Zunächst aber ein kleiner Rückblick auf die Zeit, als Ibanez auf der Bildfläche elektrischer Gitarren- und Bassanbieter erschien. Ibanez fuhr, rückblickend betrachtet, eine sehr schlaue Strategie, um den Markt der westlichen Länder Ende der sechziger Jahre zu erobern, indem sie zunächst Gitarren und Bässe auf Basis Modelle bekannter US-Hersteller, wie Rickenbacker, Fender oder Gibson nachbauten. Diese Kopien galten zu ihrer Zeit als qualitativ teilweise höherwertiger als die Originale, bei gleichzeitig drastisch günstigeren Preisen. Eine Vorgehensweise, die damals noch über einen längeren Zeitraum ungestraft möglich war – bei heutigen Urheberrechtsgesetzen undenkbar. Man nennt diesen Zeitraum, der bis Mitte der Siebziger Jahre reichte, auch die Pre-Lawsuit Periode, wobei es eigentlich nur eine einzige Klage gab. Diese wurde 1977 vom damaligen Gibson-Eigentümer Norlin Industries gegen den US-Vertrieb von Ibanez eingereicht, die lediglich Anstoß an der von Ibanez verwendeten Gibson-typischen „Open Book“ Kopfplattenform nahmen, die Ibanez zu diesem Zeitpunkt aber schon nicht mehr nutzte. So fi el es leicht, sich außergerichtlich mit Norlin zu einigen. Zu diesem Zeitpunkt konnte Ibanez bereits auf eine treue Kundenschar blicken, die von deren Handwerkskunst überzeugt und bereit für neue Modelle war. Ab Mitte der Siebziger wurden dann eigenständige, hochwertige Modellreihen aufgelegt, wie die Artist-, Professional- oder die Musician-Serie, die ich euch hier näher bringen möchte.

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Die Bassgemeinde musste allerdings noch bis 1979 auf die Musicians warten, als die ersten Bassmodelle MC 800 und 900 präsentiert wurden – der passive 800er mit einem Pickup, der 900er mit zwei Pickups und aktiver Klangregelung. MC steht übrigens als Abkürzung für „Musician“. Den Modellbezeichnungen nachgestellt gab es noch die Kürzel NT (für Natural) oder DS (für Dark Stain), womit das Lack-Finish gemeint war. Ab 1981 wurde dann nur noch Dark Stain angeboten, 1982/83 kamen die Farben Polar White (PW) und Metallic Black (MB) dazu. Mit der Einführung der Musician Bässe konnte Ibanez ein selbst designtes Neck-Thru Instrument für verhältnismäßig kleines Geld anbieten. Mit Preisen zwischen DM 1.200,– bis DM 1.435,– waren sie zwar zu jener Zeit alles andere als günstig, dennoch um ein Vielfaches preiswerter als das Edelbassvorbild von Alembic. Die Maße des fünfteiligen Halses entsprechen mit 34 Zoll einer langen Mensur (LongScale) und bestehen aus drei Lagen Bergahorn und zwei dünnen dunklen Walnussstreifen. Der Korpus unseres Exemplars hat einen Mahagonikern mit einer wunderschön gemaserten Decke und Rückseite aus Esche.

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Das Griffbrett des MC 900 ist aus Ebenholz und wurde mit 22 Frets versehen. Die Markierungen sind aus erlesener mexikanischer Abalone. Handwerklich absolut top gemacht, allerdings auch mit einem anständigen Gewicht, roundabout 4,7 Kilo.

Wenn man einen Blick auf die Potis wirft, hat man das aktive Ibanez EQ-B Tone System vor sich, das auf dem beliebten Musician Gitarren- EQ basierend weiterentwickelt wurde, und eine für den Bass optimierte 3-Band EQ-Anordnung für Höhen, Mitten und Tiefmitten bietet. Bemerkenswerterweise werden damit nicht die tiefen Bässe bearbeitet. Neben dem Kippschalter für die Wahl der Tonabnehmer und dem Kippschalter für die Aktivierung des EQs stehen ein Volumenpoti und Poti mit Boost-Funktion zur Verfügung. Mit dem Boost-Poti kann man behutsam die EQ-Einstellungen einblenden, von passiv auf immer mehr „aktiv“ – nice! Laut Ibanez Katalog von 1979 ermöglicht das EQ-B Tone System Sounds von superclean bis geradezu bösartig und ergänzt noch: „It is providing a veritable rainbow of tone possibilities“ („Es liefert einen wahrhaften Regenbogen an Klangmöglichkeiten“) – das ist ja schon fast poetisch. Wie auch immer Ibanez seinen Instrumente angepriesen hat, ich kann bestätigen, dass der Bass eine Fülle an Soundmöglichkeiten liefert und sich durch sein ausgeprägtes Mittenspektrum hervorragend im Bandgefüge durchsetzen kann. Sehr bemerkenswert ist auch seine Fähigkeit, einen richtig guten Preci-Sound zu erzeugen, obwohl die Ibanez Super 4 Single Coil „Soapbar“ Pickups und deren Anordnung dies nicht sofort erahnen lassen. Interessanterweise veränderte Ibanez in den Produktionsjahren der Musician-Reihe mehrfach die Pickup- und Brückenposition, was sich auch bei unserem heutigen Quartett widerspiegelt. Sehr überzeugt von dem Ibanez Musician Ton war Sting, der in den Anfangsjahren von The Police sehr häufi g auf der Bühne seinen 79er MC 900DS fretless einsetzte, der auch als Referenzmodell in vielen Büchern abgebildet wurde, wie z. B. in „Gitarren klassiker: Alle Modelle und Hersteller“ oder „The Bass Book“, die beide von Tony Bacon verfasst wurden.

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Desweiteren sah man Sting auch mit einem 79er MC-980DS fretless oder einem MC-940NT-Modell, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen. Den frühen Musician Bässen wird eine empfindliche Elektronik nachgesagt, was ich so in der Form nicht bestätigen kann. Natürlich treten bei alten Bässen hier und wieder das typische Knistern und Knacken der Schalter und Potis nach langem Pausieren auf. Meistens renkt sich das Phänomen aber wieder von alleine ein, wenn die Schalter und Potis regelmäßig bedient werden.

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Bereits Ende 1979 kamen die Modelle MC-924 und MC-824 (inkl. Bindestrich in der Modellbezeichnung) zum Produktportfolio hinzu, die als Nachfolgemodelle der noch bis 1981 erhältlichen MC 900 und MC 800 propagiert wurden. Es folgte zeitgleich der Musician Achtsaiter-Bass MC-980. Das 924er Fretless- Modell bekam als MC-940 eine eigene Produktkennung. Zusätzlich war eine Linkshändervariante erhältlich, die nach der Farbcodierung mit einem L gekennzeichnet wurde. Der Spitzenreiter der damaligen Preisliste war der Achtsaiter MC-980DS, der bei Markteinführung 1979 mit satten DM 1.590,– zu Buche schlug und die gleiche Holzkonstruktion wie der Viersaiter aufwies. Unser Modell von 1980 hat bereits eine Walnuss/ Mahagoni-Korpuskombination, auf die innerhalb des ersten Produktionsjahres umgestellt wurde. Das Gewicht beträgt stattliche 5,2 kg. Der Hals hat eine mittlere Mensur mit 32 Zoll (Mediumscale) und 24 Bünden. Die Stimmmechaniken namens Ibanez VelveTune-B haben eine einstellbare Drehkraft und funktionieren auch nach fast 40 Dienstjahren problemfrei. Die Elektronik EQ-B2 lässt die Hoch- und Bassfrequenzen jeweils um 18 dB anheben bzw. reduzieren, eine Anpassung der Mitten war nicht möglich. Des Weiteren stehen eine passive Tonblende und ein Mastervolumen zur Verfügung. Wenig Information aus dem Ibanez-Umfeld konnte ich bislang über den Kippschalter bekommen, der bei unserem Bass einer zweistufigen Preamp Boost-Funktion entspricht. Der MC-980 wurde zunächst ohne diesen Kippschalter ausgeliefert, der erst im Laufe des Jahres 1980 hinzugefügt wurde. Bereits 1981 war der Achtsaiter nicht mehr im Ibanez Katalog aufgeführt. Sehr schön anzusehen ist der saiten-individuell einstellbare Messingsattel, den Ibanez für seine Achtsaiterbässe (es gab neben dem Musician noch das Modell ST-980 aus der Studio-Serie) entwickeln lies. Der Sattel in Kombination mit dem im Korpus eingelassenen Messingblock erinnert sehr an die Konstruktion von Alembic, nach dem Motto: Wenn schon eine Vorlage, dann auch eine der absoluten Premiumklasse.



Am Markt durchsetzen konnten sich die Ibanez Achtsaiter trotz tollem Sound, sehr guter Bespielbarkeit und John McVie von Fleetwood Mac als expliziter MC-980-Endorser leider nicht. Vermutlich war die Konkurrenz von Hamer zu groß, die bereits seit 1977 Achtsaiter produzierten und 1979 schon sieben namenhafte Bassisten auf ihrer Artist-Liste hatten, die 8-, 10- bzw. 12-saitige Bässe spielten, u. a. Tom Petersson von Cheap Trick oder John Entwistle von The Who.

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Absatzprobleme konnte man den Musician Viersaitern hingegen nicht nachsagen. Das Konzept überzeugte spätestens mit der Einführung des MC-924, den ihr hier in einer zweifachen Ausführung seht, als klassische bundierte Version und als half-fretless MC-924H. Die Holzkonstruktion der MC 924-Reihe entspricht der des MC 900, wobei das Dark Stain im Laufe der Produktionsjahre eher „darker“ wurde. Der Equalizer ist gleich geblieben, allerdings wurde eine passive Tonblende hinzugefügt, wodurch die Klangregelmöglichkeiten beim ausgeschalteten EQ-System erweitert wurden. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal wurden dem 924er ein separates Batteriefach spendiert. Beim Griffbrett hat der MC-924 zwei Bünde mehr als der 900er und verfügt damit, wie bei Alembic damals üblich, über zwei komplette Oktaven pro Saite. Das bietet auch der MC- 924H, allerdings hat er nur für die erste Oktave Bünde, nach dem 12. Bund ist der Bass fretless. Das „H“ in der Typisierung steht passenderweise für „Half“. Wenn man es ganz eng sieht, stehen die kompletten zwei Oktaven auch nur für die D- und G-Saite zu Verfügung, was an dem optisch sehr ansprechenden „curl“ ending des Griffbretts liegt. Außer beim Griffbrett unterscheiden sich unsere beiden MC-924 rein äußerlich nur noch durch die vergoldeten Stimmmechaniken beim MC-924H, die allerdings schon ziemlich „entgoldet“ daherkommen. Dies scheint bei Ibanez zu dieser Zeit ein generelles Problem gewesen zu sein, was vielleicht auch den Hang zur zweifarbigen Hardware erklärt, die Kombi aus vergoldeten Brücken und verchromtenn Stimmmechaniken stehen nicht gerade für eine stimmige Optik.

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Die Idee des H-Modells leitete sich ab von dem damals geplanten Signature Modell AJ10 für Alphonso Johnson, der sich u.a. durch seine Zeit bei Weather Report einen guten Namen gemacht hatte. Der AJ10 entspricht somit von der Bauart dem MC-924H, wobei allerdings nur ein einziger AJ10-Prototyp für Alphonso Johnson 1979 gebaut wurde. Johnson gefiel der Prototyp nicht, da es aus seiner Sicht schwierig war, den Bass mit guter Intonation zu spielen und ihm der Sound für seine Belange nicht zusagte. Zwischen 1980 und 1983 wurden noch drei weitere Ibanez AJ10-Bässe produziert, die vermutlich in gut behüteten Ibanez Collectors Stuben verweilen. Der MC-924H wurde 1981 insgesamt auch nur sechzig Mal produziert und dies ausschließlich in Dark Stain, daher verzichtete Ibanez auch auf das Farbkürzel in der Modellbezeichnung. Es gibt hin und wieder Internet-Annoncen, die einen AJ10 anbieten, allerdings kann man zumindest am Baujahr festmachen, ob es wirklich ein AJ10 ist. Alphonso Johnson lehnte sein Signature Modell zwar ab, war aber trotzdem Ende der Siebziger regelmäßig mit einem naturfarbenen Musician auf der Bühne zu sehen. Und da war er in guter Gesellschaft. Neben den bereits erwähnten Musician-Usern Sting und John McVie spielte auch Adam Clayton einen MC-924DS und einen MC-824DS auf den ersten vier Tourneen von U2 und beim Live Aid Konzert 1985. Nach diesem Auftritt versteigerte er übrigens seinen MC-824 im Rahmen einer Wohltätigkeitveranstaltung. 1982 schaltete Ibanez eine umfangreiche Werbekampagne für den MC-924PW mit Martin Kemp von Spandau Ballet und Mike Porcaro von Toto als Endorser. Der Musician hatte da bereits ein etwas kantigeres Bodyshaping, einen massiven Esche-Body und neue Pickups im Precision- und Jazz Bass-Style in Ibanez-eigenen Covern. Steffi Stephan vom Panikorchester und der Session- Bassist und Vorgänger von Porcaro bei Toto, David Hungate, spielten ebenfalls einen 82er MC-924PW, Dave Swift von Jools Holland Band spielt ihn sogar heute noch und brachte das gute Stück 2016 auch auf das Cover der Juni Ausgabe des britischen Bass Magazine. Sehr nett ist auf YouTube seine Schwärmerei über diesen Bass bei der Q&A Session im Rahmen der London Bass Guitar Show von 2016 anzusehen.

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Möchte man sich einen Bass der Musician- Reihe zulegen, die übrigens bis 1987 produziert wurden, kann man auf einen recht umfangreichen Gebrauchtmarkt blicken, da verhältnismäßig viele Bässe angeboten werden. Allerdings bedeutet Masse nicht unbedingt Klasse, da das Gros der Bässe sich in einem schlechten, teilweise verbastelten Zustand befi ndet. Die Musician-Bässe nach 1984 haben eigentlich mit den in diesem Artikel vorgestellten Modellen nicht mehr viel gemein, da sowohl Elektronik als auch Bodyshaping immer mehr in Richtung der Soundgear-Reihe ging. Möchte man einen wirklich gut erhaltenen pre-1985 Musician inkl. Originalkoffer, sind mindestens EUR 700,– fällig, mit modellabhängigem Steigerungspotential in vierstellige Sphären. Man kann aber auch richtig viel Geld ausgeben und sich das auf 15 Stück limitierte Jubiläumsmodell MC30TH zulegen, das 2009 anlässlich des dreißigsten Geburtstages des MC 900 aufgelegt wurde und damals für einen beachtlichen Preis von USD 10.666,65 den Besitzer wechseln durfte. Das Modell hat sehr aufwendige Abaloneintarsien auf dem Griffbrett und der Kopfplatte, ergänzt durch Edelholz Pickup-Cover. Der Verkauf gestaltete sich trotzdem als recht zaghaft – kein Wunder bei dem Preis. Bässte Grüße und bis zum nächsten Museumsbesuch, Euer Frank Fotos: Gregor Lukasik mit Dank an das Sky Sound Studio Nürnberg

BP 1/2019, Ausgabe 97, Seite 62


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