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BassMuseum: Ken Smith B.T. Standard

BassMuseum Von Frank Zimmermann. Ken Smith B.T. Standard

Liebe Leserinnen und Leser,
es freut mich sehr, euch heute einen besonderen Bass vorstellen zu dürfen. Es handelt sich um einen Ken Smith B.T. Standard, der am 2. Januar 1983 die penible Endkontrolle des Namensgebers passierte. So weit, so gut, aber was macht dieses Instrument jetzt so besonders? Es ist die Kombination aus verschiedenen Faktoren: Der Bass ist ein sehr frühes Model aus der Nobelschmiede von Ken Smith mit einer seltenen und ungewöhnlichen Pickup-Bestückung und gebaut von keinem Geringeren als Vinny Fodera höchstpersönlich, gespielt von Ken Smith himself und benutzt als Fotomodell im Ken Smith Katalog. Es steht daher außer Frage: Dieser Bass hat das Prädikat „besonders“ verdient, oder? ...

Bass Professor 2/2020. BassMuseum: Ken Smith B.T. Standard

Ken Smith wurde 1951 in Brooklyn, New York, geboren und begann mit dreizehn Jahren Kontrabass zu lernen. Mit fünfzehn Jahren wurde er an der New Yorker High School of Music & Art aufgenommen, und kurze Zeit später war er der Hauptbassist im High School Senior Ochestra – der Weg als professioneller Musiker war quasi schön früh geebnet. Mit siebzehn Jahren wurde er Bassist der Horace Silver Band, musste aber leider kurze Zeit später den Job wieder hergeben, da er aufgrund seines geringen Alters in den USA nicht in Clubs spielen durfte, die Alkohol ausschenkten. Sein Nachfolger wurde niemand anderes als die Bass-Legende Stanley Clarke. Ken nutzte die Zeit, um bei dem Avantgarde- und Hardbop-Bassisten Reggie Workman seine Fähigkeiten auszubauen und entwickelte sich, nachdem er nicht mehr mit Altersbeschränkungen zu kämpfen hatte, sehr schnell zu einem gefragten Bassisten in der New Yorker Jazzszene. Er spielte unzählige Gigs in Clubs und Broadway-Shows, sowohl am E-Bass als auch am Kontrabass. Er fungierte als Sideman von Larry Elgart, Lynn Oliver, Buddy De Franco, Warren Covington, Joe Panama, Mongo Santamaría, Lester Lanin, Mauricio Smith, Paul Mauriat und Chris Connor. Ken Smith spielte auch auf den ganz großen Bühnen, z.B. mit dem Sänger Johnny Mathis im Madison Square Garden oder mit Ginger Rogers in der Radio City Music Hall, wo er ein Engagement bei den Rockettes hatte. Darüber hinaus nahm Ken mehr als 2.000 Jingles auf und spielte auf Soundtracks für Kinofilme. Während dieser Zeit hat Ken die Instandhaltung und Reparaturen seiner Instrumente weitgehend selbst durchgeführt und das Interesse an einem Eigenentwurf nahm kontinuierlich zu. Smith fragte sich „What can I do to make things better?“ und hatte dabei die Qualitäten seines italienischen Kontrabasses aus dem 18. Jahrhundert als Maßstab für seinen zukünftigen E-Bass im Hinterkopf. In einem Interview sagte er, dass sein Kontrabass vom Sattel bis zum Griffbrettende nur Töne von absolut gleichartiger Qualität abliefert, fern jeglicher Dead Spots, die er von den G-Saiten der Fender Bässe kannte, die zu der Zeit überwiegend in der New Yorker Bassistenszene gespielt wurden.

1976 war es soweit und Ken begann mit der Realisierung seines ersten E-Bass-Prototypen. Zu dieser Zeit teilte er sich mit anderen Musikern einen Proberaum in einem Gebäude in Manhattan, in dem auch der Instrumentenbauer Carl Thompson seine Werkstatt hatte. Smith tauschte sich mit Thompson ausgiebig aus und beide partizipierten voneinander – die Puzzlestücke fügten sich langsam zusammen. Mit Hilfe von Thompson und des lokalen Elektronikers Eiichi Sayyu konnte Smith seine Vorstellungen eines Basses umsetzen und der erste Ken Smith Bass entstand. Smith war mit dem Resultat sehr zufrieden und viele Musiker, die seinen Bass testeten, u.a. Stanley Clarke, ermutigten ihn, mehr Bässe zu bauen. Vollends überzeugt wurde Smith durch den ersten Trompeter des Shirley Bassey Line-ups, dem Smith auch angehörte, und der ihm bescheinigte, jede Tonlage seines Basses im Bandkontext ausmachen zu können. Ken war mit seinem Instrument klar auf dem richtigen Weg. 1979 konnte Smith mit dem Instrumentenbauer Stuart Spector eine Abmachung treffen, dass Spector Holzarbeiten für ihn ausführt. Mit dieser Aufgabe wurde niemand anderes als Spectors Angestellter Vinny Fodera betraut. Smith übernahm die verbleibenden Schritte, montierte die Hardware, verlötete die Elektronik und stellte die Bässe ein. 1980 eröffnete Smith schließlich sein eigenes Ladengeschäft mit dazugehöriger Werkstatt in Brooklyn. Die Leitung der Werkstatt übernahm Vinny Fodera, der kurz vorher Spector verlassen hatte.

Die ersten Smith Bässe hatten die Modelbezeichnung SMITH ELECTRIC BASS I, II und IIG. Das Model I und II unterschieden sich in der Anzahl der Pickups, der Zusatz „G“ beschrieb eine zusätzliche Graphitverstärkung im Hals. Diese Bässe waren alle mit einer aktiven Elektronik ausgestattet. Zusätzlich wurden noch die Modelle SMITH PAS I und II angeboten, die eine passive Elektronik hatten. Zu den ersten Kunden der Smith Bässe zählten übrigens Stanley Clarke und Anthony Jackson. 1983 verkaufte Smith seine Werkstatt an Vinny Fodera, der daraufhin zusammen mit Joey Lauricella FODERA GUITARS gründete, aber weiterhin für Smith die Holzarbeiten durchführte. 1985 trennten sich die geschäftlichen Wege von Fodera und Smith, der einen Subunternehmer für Holzarbeiten im Nachbarstaat Pennsylvania fand. Später übernahm Smith den Betrieb vom Sublieferanten komplett und lies sich 1995 in Perkasie, Pennsylvania nieder. Seitdem hat Smith die komplette Produktionskette unter einem Dach. Ein besonderes Augenmerk legt Smith dabei auf die Holzauswahl. Ken Smith hat eines der größten und variantenreichsten Holzlager von allen Bassherstellern. Durch die umfassenden Selektionsmöglichkeiten seiner Klanghölzer kann Ken Smith auf nahezu alle Kundenwünsche eingehen. Sehr empfehlenswert ist sein Beitrag über Klanghölzer in dem Buch „American Basses – An Illustrated History And Player’s Guide“ von Jim Roberts.

Die B.T.-Serie ergänzte ab 1981 die Ken Smith Produktpalette und wurde zum Standbein der Company. Die Abkürzung B.T. ist von der aktiven Elektronik des Basses abgeleitet und steht für „Bass“ und „Treble“. Man konnte seinerzeit zwischen drei Varianten auswählen, dem B.T. Standard, B.T. Custom und B.T. Custom „G“. Das Custom-Model hat eine durchgehende Halskonstruktion, wahlweise mit oder ohne Graphitverstärkung. Die Standard-Modelle haben einen „Dovetail Neck/Body Joint“, d.h. es handelt sich um eine Hals/Korpus-Verbindung, bei dem der zum Ende hin T-förmig gefräste Hals in eine Nut des Korpus gepresst und verleimt wird. Dieses aufwendige Verfahren verlangt ein hohes Maß an handwerklichem Geschick, welches dem Erbauer unseres heutigen Basses, Vinny Fodera, definitiv bereits Anfang der Achtzigerjahre bescheinigt werden konnte. Die Dovetail-Bauart verwendet Vinny auch heute noch bei seinen Deluxe Bässen der Emperor- und Monarch-Serie.

Bass Professor 2/2020. BassMuseum: Ken Smith B.T. Standard

Die Holzarbeiten sind definitiv hochklassig: Der fünfstreifige Hals in 34 Zoll Longscale-Ausführung besteht aus drei Streifen Ahorn, die mit dünnen Streifen aus Palisander unterbrochen werden. Die äußeren Ahornstreifen sind aus „Hard Rock Maple“, der mittlere aus Riegelahorn. Das fünf mm dicke Griffbrett ist aus Ebenholz und hat 24 Bünde mit runden Griffbrettmarkierungen aus Perlmutt. Die recht großformatige kronenförmige Kopfplatte wurde mit einem sehr feinen dreilagigen Frontfurnier aus Koa/Ahorn/Koa versehen und trägt auf der Rückseite die eingestanzte Seriennummer 115. Das Trussrodcover und das runde Firmenemblem sind aus Messing gefertigt und liefern ein Erkennungszeichen der Smith Bässe aus der ersten Generation. Um 1986 wurde das Messingschild gegen ein S-Emblem aus Perlmutt getauscht und die Kronenform etwas gestutzt.

BassMuseum: Ken Smith B.T. Standard

Der Hals ist für Smith-Verhältnisse sehr schmal und erinnert schon fast an einen Jazz Bass – sehr außergewöhnlich für Smith Bässe. Man fühlt sich sofort wohl bei diesem Spielgefährten. Der Hals ist selbst nach 38 Dienstjahren noch kerzengerade und ermöglicht eine sehr niedrige schnarrfreie Saitenlage – chapeau! Dazu trägt sicherlich auch der sehr feine Messingsattel bei, der auf höchstmöglichen Spielkomfort ausgelegt sehr niedrig ausgefeilt wurde. Die gekapselten Stimmmechaniken sind von Schaller, tragen die Aufschrift „Made in W.Germany“ und laufen noch immer perfekt. Bei der Brücke handelt es sich um die Badass Bass II, die immer gerne für kontroverse Diskussionen sorgt. Der Vorteil dieser Brücke liegt klar in ihrer massiven Ausführung, die beim B.T. Standard für ein langanhaltendes und wunderbar abklingendes Sustain über das gesamte Frequenzspektrum sorgt. Achtung: absolutes Suchtpotential!!
Der Body besteht aus zwei Teilen Riegelahorn, einem mit Kupferfolie abgeschirmten Elektronikfachdeckel aus Palisander und einer wunderschön gemaserten, ca. sieben mm dicken Decke aus Koa. Die Optik muss so überzeugend gewesen sein, dass der Bass es sogar in den Ken Smith Katalog schaffte und neben seinen Geschwistern der B.T.-Serie posieren durfte. Die Gurtaufhängungen sind elegant im Holz versenkt, was allerdings entsprechende Gegenstücke der Bauart Dunlop Straplocks erfordert. Die versenkten Gurtaufhängungen sind übrigens einer der vielen Eigenentwicklungen, die Ken Smith bei seinen Bässen im Lauf der Jahre zur Serienreife brachte. Zu diesen Innovationen zählen u.a. auch 6-Saiter mit großem Saitenabstand, die Verwendung von Platinen für die Elektronik, Taper Core Basssaiten oder Potis mit Mittelrasterung, die auf diesem Museumsbass auch verwendet wurden. Die gesamte Liste von Smiths Erfindungen kann auf seiner Internetseite unter www.kensmithbasses.com/about/ bewundert werden.

BassMuesum: Ken Smith B.T. Standard

Die Pickups bei diesem B.T. Standard sind eine P/J-Bestückung, die von Bill Lawrence nach den Spezifikationen von Ken Smith gefertigt wurde. Jede Einzelsaite kann dabei durch einstellbare Polepieces mit einem Inbusschlüssel in der Lautstärke justiert werden. Die Potis des B.T. Standard sind von höchster Güte und selbst im gehobenen Alter noch absolut knisterfrei. Zur Auswahl stehen ein aktiver Höhen- und Bassregler mit einem Wirkungsgrad von jeweils + / - 15 dB, die absolut rauschfrei agieren. Die Potis arbeiten innerhalb eines absolut praxistauglichen Spektrums, bei dem nie das Gefühl aufkommt, einen unbrauchbaren Ton zu generieren. Bei zurückgedrehten Höhen klingt der Smith sehr vintage-mäßig nach Oldie-Style, voll aufgedreht sehr HiFi-mäßig mit kristallklaren Höhen. Die Hinzunahme der Bassanteile erzeugen einen mächtigen Punch, ohne dabei undefiniert zu sein. Als weitere Potis stehen ein Mastervolumen- und ein Balanceregler, sowie ein Phasenumkehr- und Aktiv-/Passivschalter zur Verfügung. Als einzigen Kritikpunkt würde ich den Output vom Bridge-Pickup ansehen, der bei einer kompletten Ausblendung des Hals-Pickups für meinen Geschmack viel zu dünn ist und nicht an den Output eines Fender Jazz Bass Bridge-Pickups herankommt. Dies nimmt dem Bass sicherlich eine gewisse Flexibilität, die mich persönlich allerdings nie wirklich gestört hat, da ich nie das Bedürfnis hatte, den Balanceregler zu nutzen. Vielleicht ist das aber auch der Grund, warum Ken Smith diese Pickup-Konfiguration nicht besonders schätzte und laut seinen Angaben nur ganz wenige Bässe mit J/J- bzw. P/J-Bestückung produziert wurden. Nichtsdestotrotz hielt es Ken Smith nicht davon ab, unser heutiges Schmuckstück für seine eigenen Belange zu nutzen und spielte zahlreiche Werbe-Jingles damit ein. Smith führte über seine Jobs als Session Bassist genau Buch und mailte mir, dass er diesen Bass u.a. für Jingles von Snickers, Cinemax, HBO und Colgate nutze. Den Kontakt zu Ken Smith habe ich übrigens über die Facebook-Gruppe „Ken Smith Bass players club“ hergestellt, in der er selbst sehr aktiv ist und hilfsbereit Fragen beantwortet. Wenn ihr jetzt Geschmack an einem B.T. der ersten Generation gefunden habt, rate ich euch den Weg über eine entsprechende Fansite im Internet zu gehen. Die Bässe sind leider zu selten auf dem „freien Markt“ zu bekommen, zumal sie nicht ganz günstig zu bekommen sind. Ca. EUR 4.000,- sollte man mindestens auf den Tisch legen, um einen Smith-Bass aus den ersten Jahren sein eigen nennen zu können. Es lohnt sich allerdings, denn der Genuss eines ausgewachsenen Ken Smith-Ton ist jeden einzelnen Euro wert.

Bass Professor 2/2020. BassMuseum: Ken Smith Standard B.T. Standard

In diesem Sinne, bässte Grüße und bis zum nächsten Museumsbesuch,
Euer Frank

Fotos: Gregor Lukasik

... Bass Professor 1/2020, Seite 64

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