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BassMuseum: Fender Precision Bass International Colours 1981


BassMuseum: Fender Precision Bass International Colours 1981. Von Hermann Eckholt – The Bass Hunter

Gegen Ende der 70er-Jahre hatten es die großen Gitarren-Companies in den Staaten nicht leicht, ihre Instrumente an den Mann/die Frau zu bringen. Am Anfang dieses Jahrzehntes lief der Verkauf noch quasi von selbst: der Musikmarkt sprudelte nur so von guten und kreativen Bands, die bei den vielen jungen Menschen, sogar in den hintersten ländlichen Gegenden, den Wunsch entfachten, selbst Musiker zu werden. Ich erinnere mich noch gut an meine persönliche Anfangszeit im Jahr 1974: Nach dem stundenlangen Hören von YES- und Deep Purple- Platten musste auch bei mir irgendwann ein originaler USA-Bass her. ...

Ab 1979/80 wurde es dann jedoch etwas ruhiger im Mittel- und Hochpreissegment. Ausgeschlossen davon war aber Leo Fenders genialer Entwurf des Music Man Stingray und des Music Man Sabre, denn diese Bässe waren so erfolgreich und bei allen beliebt, dass die kleine Firma CLF Research im sonnigen Kalifornien kaum mit der Produktion nachkam. Man musste damals auch hierzulande schon einige Fachgeschäfte abtelefonieren, um überhaupt an so einen guten aktiven Bass zu gelangen.

Die Firma Fender hatte in dieser absatzschwachen Zeit eine frische Idee und brachte im Jahr 1981 die International Colours Bass- Serie heraus. Zwischen den üblichen Bass- Kollektionen in einem gut sortierten Fachgeschäft mit Instrumenten in Natur, Rot oder Sunburst von Ibanez oder Yamaha (den deutlichen Verkaufsgewinnern in dieser Zeit mit günstigen Preisen und sehr guter Verarbeitungsqualität!), wirkten die bunten Knaller von Fender mit ihren ungewöhnlichen Farben wie von einem anderen Planeten.

Unser BASS MUSEUM-Autor Herrmann Eckholt mit einem weiteren Fender- Schmuckstück einem Precision in Maui Blau.In der International Colours-Serie gab es sieben gut klingende Namen: Arctic White, das schöne Maui Blau, das heute noch sehr gesuchte Capri Orange, das kräftige Morocco Red, das (für mich immer schon etwas langweilige) sandige Sahara Taupe, das dunkle Cathay Ebony – und außerdem das sehr gesuchte Monaco Yellow, welches man beidiesem Precision aus dem Jahr 1981 erkennen kann. Parallel zu dieser Serie gab es noch zwei Sunburst-Varianten: Sienna und Cherry Sunburst.

Doch wie schafft es ein Bass, der vor 32 Jahren gebaut und an ein Musikgeschäft ausgeliefert wurde, neuwertig zu sein? Nun, ganz einfach eigentlich: der gute Bass ist leider nie verkauft worden! Als schmucker Wandbehang im Laden hat das Instrument nahezu satte 30 Jahre dort verbracht. Es wurde zwar hin und wieder an das ZDF zu Playback-Aufzeichnungen ausgeliehen, kam dann aber nach seinen Ausfl ug wieder sofort zurück an die Wand. Das Owner’s Manual und das Hang Tag mit den Daten der Kontrolleure aus dem Fender- Werk ist durch das damals noch erlaubte (und ständige) Rauchen im Musikgeschäft inzwischen regelrecht abgedunkelt. Die rote Schrift auf dem Owner’s Manual ist hingegen stark verblichen und der Rauch gab dem Heftchen einen bräunlichen Ton. Glück im Unglück: Dem schönen gelben Finish des Basses hat das nicht so geschadet wie seinen Anhängseln! Der Bass ist durch die Qualmerei glücklicherweise nur minimal dunkler geworden, aber die Farbintensität ist immer noch unglaublich. Es gibt ja Leute, die ein Sunburst stets vorziehen würden – ich persönlich frage mich allerdings, warum Fender nicht schon früher diese bühnentauglichen Eyecatcher-Farben ins Spiel gebracht hat. Die ersten Custom Colours zu Beginn der Sechziger kamen ja eher soft daher, darunter das beliebte Surf Green, Sonic Blue, oder das Shell Pink. Die Metallicfarben wie Candy Apple Red oder Lake Placid Blue und das seltene Burgundy Mist (eine Art Violettmetallic), waren ja in der Automobilindustrie bereits gängige Farben.

In den Siebzigern, als Möbel, Autos und sogar Tapeten oft in diesen bunten, grellen und leuchtenden Tönen auf den Markt kamen und schnell die Herzen der Jugend eroberten, kam Fender relativ spät mit diesen kräftigen Farbtönen daher. Ich besaß früher einmal einen Maui Blau Precision Bass – der war auf der Bühne ein echter Hingucker. Später kam kurz ein Fretless in Sahara Taupe dazu.

Beide Bässe haben jedoch irgendwann wieder das Haus verlassen, der blaue brachte stolze 5,2 kg auf die Waage, was einem bei langen Gigs schon auf die Nerven gehen konnte. Und der Sahara Taupe Fretless? Der war zwar deutlich leichter, klang aber irgendwie nach nichts. Seit ca. 1976 gab es unter den Fender-Bässen oftmals richtige schwere „Schulterkiller“ mit um die fünf Kilogramm Gewicht. Aber es gibt auch seltene Ausnahmen wie dieses gelbe Schmuckstück: gerade mal 4,3 kg bringt er auf die Waage – und liegt damit für lange Sessions oder Gigs noch im grünen Bereich.

Am gesuchtesten sind wohl die gelben und orangenen Bässe aus dieser Serie. Super selten taucht mal eines dieser schönen Teile auf und ist kurz darauf im Netz auch schon wieder verkauft. Leider ist je nach Zustand auch der Preis in den meisten Fällen nicht gerade günstig: EUR 2.000,– bis 2.500,– für einen guten Precision (für Jazz Bässe schon einen Tausender mehr) – so viel sollte man schon im Sparschwein haben, falls so ein Bass den Weg kreuzt. Dabei dann aber auch noch das Glück zu haben, ein echtes Leichtgewicht zu bekommen, ist fast schon wie ein Treffer im Lotto.

Die Tonabnehmer aus dieser Zeit sind übrigens fast durch die Bank weg zu empfehlen. Sie sehen aus wie ihre Vorgänger Anfang der siebziger Jahre: gräuliche Pappe an der Oberund Unterseite, sogar den gegen Ende der Sechziger eingeführten Datumsstempel auf der Unterseite gibt es noch. Die Pickup-Pole sind zudem mit einer dünnen Lackschicht versehen, und die ist hier bei dem gelben Bass sogar noch nicht abgeblättert! Die Drahtwicklungen sind bei diesen Tonabnehmern dunkel gehalten, und ich habe das Gefühl, Fender hat die Umwicklungszahl erhöht, um den Bässen etwas mehr Kraft zu verleihen. Ein guter Precision aus dieser Zeit hat hörbar mehr Bumms als die Modelle zu Anfang der Siebziger. Die größten Unterschiede liegen im Tiefbass-Bereich, hier weist dieser Bass definitiv mehr Kraft auf als z.B. ein 1972er oder 73er Precision. Im Mittenbereich gefällt mir der Siebziger Preci manchmal besser, aber wenn man nicht einen Precision aus den frühen Siebzigern für einen Vergleichstest zur Hand hat, fällt der kleine Unterschied in diesem Frequenzbereich kaum auf. Auch der Höhenbereich verhält sich etwas anders: Die jüngeren Bässe schmeißen mehr Höhen, sodass man auf der Bühne schnell mal das Tone-Poti auf eine „kurz vor halb“-Stellung. Im Studio direkt ins Pult gespielt klingt dieser Bass fantastisch ausgewogen, nachdem ich einige Tage damit verbracht hatte, die Tonabnehmer besser abzufedern, damit diese ihre eingestellte Position besser hielten und nicht wackelten. Dann geht auch noch etwas Zeit ins Land, bis die Pickup-Balance perfekt ist. Gerade bei einem Splitcoil gibt es ja viele Möglichkeiten. Ich beginne immer in der Mitte mit der A und D Saite; sind die beiden gleich laut und kräftig, kommen als nächstes die E- und die G-Saiten dazu, bis das Gesamtklangbild angepasst ist. Das funktioniert übrigens besser über ein neutrales Mischpult im Studio.

Was bei so einem „neuwertigen alten“ Bass besonders Spaß macht ist, dass er so frisch daherkommt. Der Hals ist schnurgerade und rein gar nicht abgespielt. Ebenso verhält es sich mit den Frets. Wenn der Bass auch mal funky gespielt werden soll, ergibt sich ja bei einigen seiner Modellkollegen das Problem, dass zunächst in die Halstasche kleine Papierstreifen eingelegt werden müssen, um den Halswinkel etwas nach oben zu richten. Oft legt Fender auch einen Kunststoffstreifen hinein, um den gleichen Effekt zu erzielen. Der Hals würde ohne diese zusätzliche Unterstützung zu tief in seiner Halstasche sitzen und man würde keinen klaren Punch beim Slappen erhalten. Die Jazz Bässe sowie die Music Man Bässe aus dieser Zeit mit ihren 3-Punkt Verschraubungen haben dieses Problem nicht und können durch die zusätzlichen Inbusschrauben auf den passenden Halswinkel eingestellt werden.

Die Halsform bei der International Colours- Serie ist ähnlich derer der Bässe aus den frühen Siebzigern: ein angenehmes D-Profi l. Vom Gefühl her sind vielleicht die Griffbrettkanten bei den jüngeren Bässen etwas kantiger als bei den Alten, vielleicht wegen ihren schon rund gespielten Halskanten. Aber dennoch liegt der Hals angenehm in der Hand. Die Hälse besitzen in der Regel Indian Rosewood- Griffbretter, die deutlich heller sind als die in den Sechziger Jahren bei Fender verarbeiteten Brazilian Rosewood-Griffbretter. Es gibt nur wenige fretless-Exemplare und zusätzlich einige Maple-Varianten.

Das Korpus-Shaping dieses Basses ist fast schon wie beim Telecaster: eine dicke Scheibe Holz, nur leicht an der Armauflage abgerundet. Ob die Bässe dadurch mehr Klangvolumen aufweisen als die Siebziger-Versionen, oder ob doch die Tonabnehmer den hörbaren Unterschied liefern, lassen wir an dieser Stelle mal offen. Die verchromten Schaller- Mechaniken gefallen mir sehr gut; sie lassen sich immer noch butterweich drehen und sind sehr stimmstabil.

Leider gibt es keine genauen Zahlen darüber, wie viele Bässe aus der Fender International Colours-Serie die Fabrik jemals verlassen haben. Vom Gefühl her existieren jedoch wesentlich mehr Precis als Jazz Bässe.

Falls ihr mal einen Bass aus dieser Serie kaufen möchtet, achtet unbedingt auf die Nummer am Bass. Es gab leider viele Leute, die gern an diesen Bässe herumgeschraubt haben, z.B. um aus mehreren Bässen ein Top- Instrument zusammenzubauen. Ich habe bereits einige Bässe gesehen, bei denen die Hals-Seriennummer nicht mehr mit dem Seriennummer- Sticker in der Halstasche übereinstimmte. Diese müssen nämlich identisch sein! Und auch unter dem Schlagbrett wurde die gleiche Nummer verklebt. Wenn dann noch das Owner’s Manual dabei ist, sollte dort oben auf dem Umschlag die gleiche Nummer kleben wie am Bass. Der Sticker wurde übrigens bei allen Bässen, die ich gesehen habe, nach dem Lackieren in den nicht ganz trockenen Lack gedrückt und lässt sich daher eigentlich nicht mehr ohne weiteres entfernen. Daher ist es besonders gut und wichtig, wenn man ein unverbasteltes Exemplar vor sich hat und alle vier Seriennummern identisch sind – einschließlich der auf dem Manual!

Leider war der Erfolg der International Colours-Serie in den Jahren 1981 und 1982 nicht so berauschend, was vielleicht auch am Verkaufspreis gelegen hat. Einige Jahre vorher konnte man schon hier und da ein Instrument für schlappe DM 890,– ergattern. Diese Serie war jedoch nicht unter DM 1.390,– zu haben. Zum Vergleich: 1979 konnte man sich einen Stingray für DM 1.390,– kaufen und den Sabre für DM 1.690,–. Das waren noch Zeiten!

Nach diesem Farbspiel von Fender kam der aktive Precision Special auf dem Markt. Über diesen Bass werden wir demnächst hier im BASS MUSEUM berichten. Für mich heißt es deshalb jetzt erstmal: ab auf die Insel Capri und dort über die Capri-Fischer und ihre Sonnenuntergänge singen. Vielleicht habe ich ja dann noch unerwartet das große Glück und es gibt vor Ort sogar einen Precision in Capri Orange zu kaufen. Jetzt in der Winterzeit ist dort auch das Wetter angenehmer!

Alles Gute, euer Bass Hunter









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