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BassMuseum: Tobias Classic-5 von 1989

BassMuseum: Tobias Classic-5 von 1989

Liebe Leserinnen und Leser,
es freut mich, euch heute einen 1989er Tobias Classic-5 vorzustellen, der noch aus den Produktionsjahren stammt, als Firmengründer Michael Tobias stets selbst Hand anlegte und als Ausstattungsvariante eine Ramp zu bieten hat, was äußerst selten bei Tobias-Bässen zu sehen ist.

BassMuseum: Tobias Classic-5 von 1989

Michael Tobias begann seine Karriere zunächst als Servicemitarbeiter eines Gitarrenhändlers in Washington D.C. und später in Orlando, Florida, wo er sich neben seinem Tagesgeschäft mit der Konstruktion und Fertigung von eigenen Gitarren- und Bassmodellen beschäftigte. 1977 gründete Michael Tobias die Tobias Guitars Company und startete seine erste Serienproduktion. Die fortlaufenden Seriennummern begannen ungewöhnlicherweise mit der Nummer 0178, sie bezog sich auf das Auslieferungsdatum des ersten Instruments im Januar 1978. 1980 verlegte Tobias den Firmensitz nach Kalifornien, zunächst nach San Francisco und ab Mai 1981 nach Costa Mesa. Dort blieb er aber nur ein paar Monate und zog anschließend nach Los Angeles. 1984 eröffnete Michael Tobias zusammen mit zwei Mitarbeitern seinen ersten Tobias Guitar Shop am 1614 Cahuenga Boulevard im Stadtteil Hollywood. Schon nach einem Jahr bot Tobias keine Reparaturleistungen mehr an und konzentrierte sich ausschließlich auf die Produktion eigener Instrumente. Wenig später fokussierte er sich auf das reine Bassgitarrengeschäft, da die Kundschaft überwiegend aus Bassisten bestand. Viele Studenten und Dozenten aus dem nur 800 Meter entfernten Musicians Institute gaben sich die Klinke in die Hand, um beim Meister Bässe zu bestellen. Dieser Situation entsprang der heute hier vorgestellte Tobias Classic-5, der von dem damaligen Musicians Institute-Studenten und späteren Profibassisten Uwe Schwidewski bestellt wurde. Uwe erzählte mir, dass die Bässe von Tobias die präferierten Bässe der damaligen L.A. Musikerszene waren und quasi jeder einen haben wollte. Das beweist auch ein Promotion-Video der Amp-Schmiede SWR aus 1991, in dem ein Dutzend L.A. Session Bassisten SWR-Amps anspielen: Ungefähr die Hälfte von ihnen ist auf Tobias Bässen unterwegs. Den Clip findet ihr auf YouTube unter: SWR Promotional Video 1991 – das Video ist zugleich eine kleine Zeitreise.


BassMuseum: Tobias Classic-5 von 1989

Es dauerte nicht lange und der solide Ruf Michael Tobias für tadellose Handwerkskunst, guten Klang und ausgezeichnete Spielbarkeit seiner Instrumente breitete sich über die Stadtgrenzen von Los Angeles hinaus aus und Tobias musste seine Firma vergrößern, um die wachsende Nachfrage bedienen zu können. Ende der Achtzigerjahre nahm Tobias keine neuen Aufträge mehr an, da er die Bestellungen mit seinen Produktionskapazitäten nicht mehr erfüllen konnte. Nicht bereit, seinen Output in Richtung Massenproduktion zu erhöhen, entschied sich Tobias dazu, sein Unternehmen 1990 an CMI, die Muttergesellschaft der Gibson Guitar Corporation zu verkaufen. Die Bässe aus der sogenannten „Pre-Gibson-Era“ endeten mit der Seriennummer 1093 und sind bei Musikern und Sammlern am begehrtesten. Gibson übernahm alle Angestellten von Michael Tobias und zog lediglich in größere Räumlichkeiten nach Burbank, Kalifornien. Michael Tobias hatte zu dieser Zeit einen Beratervertrag mit Gibson und beaufsichtigte die Produktion. 1992 wurde Tobias Guitars dann nach Nashville, Tennessee verlagert. Keiner der ehemaligen Tobias-Crew machte diesen Umzug mit. Die letzte Seriennummer aus der Burbank-Produktion ist die 2044.
Anfang 1994 gründete Michael Tobias die Firma MTD (Michael Tobias Design), in der er, zusammen mit seinem Sohn David und einem langjährigen Mitarbeiter, aktuell ca. zehn Instrumente pro Monat herstellt.

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Die Stimmmechaniken sind angelehnt an den Typ M6 von Schaller, die Brücke neueren Baujahrs vom Typ 3D stammt vom selben Hersteller. Dieser Brückentyp war auch werksseitig verbaut, allerdings hatte der Zahn der Zeit einfach zu sehr an der Originalbrücke genagt, so dass ein Austausch notwendig war. Sehr vorteilhaft, dass Warwick überwiegend Komponenten aus dem Standardprogramm der Zulieferer verbaute und die Renovierung dadurch sehr einfach war. Als absolut „non-Standard“ kann man die Anordnung der Stimmmechaniken und die mittig angeordnete Fassung des speziell für den Meidel-Bass benötigten Ständer bezeichnen.

Als weiteres einzigartiges Feature kann man die Gurtkonstruktion bezeichnen. Im Gegensatz zu Ned Steinbergers Paddel, der eine eigentümliche Drehkonstruktion aus Kunststoff zur Befestigung des Gurtes vorsah, verpasste Warwick dem Meidel-Modell einen aufsteckbaren Körperbügel aus vergoldetem Messing, an den man den vorderen Gurtpin an zwei zur Auswahl stehende Öffnungen befestigen kann. Der zweite Gurtpin ist auf der Rückseite des Korpus verschraubt. Die eingelassene Buchse für das Klinkenkabel befindet sich auf der Unterseite des Korpus. Was man im Vergleich zum Steinberger-Paddel beim Meidel-Modell nicht findet, ist eine Beinstütze, daher bietet es sich an, auch im Sitzen mit Gurt zu spielen. Eine Armauflage lässt sich bauartbedingt auch nicht finden, so dass es schon ein wenig Eingewöhnungszeit bedarf, bis Spieler und Bass zu einer Einheit zusammenwachsen können. Belohnt wird man dann mit einem kräftigen edlen Basston, inklusive sehr langem Sustain. Die aktiven Pickups in der P/J-Kombination sind von EMG, der Zugang zur Batterie erfolgt über das rückseitig verschraubte Elektronikfach. An Potis steht ein Volumenregler pro Pickup und eine gemeinsame Tonblende zur Verfügung. Den Ton würde ich als einen Edel-Precision-Sound beschreiben, der durch den zusätzlichen Jazz Bass-Pickup die gewisse Prise Klarheit bekommt. Der Jazz Bass-Pickup im Alleinbetrieb kommt leider ein wenig zu dünn. Wenn man einen Meidel-Bass in Action sehen möchte, dem seien die YouTube-Clips von UFO Walter von der Randy Hansen Band empfohlen. John Entwistle, Peter Sonntag und Martin Engelien haben ebenfalls ab und zu zum Meidel-Bass gegriffen. Von Martin Engelin gibt es auf YouTube einen Clip mit einem nagelneu funkelnden Nobby Meidel-Bass zu bestaunen, den der mit der Klaus Lage Band und „1001 und 1 Nacht (Zoom)“ in der Hitparade vorführt. Nick Beggs von Kajagoogoo und Level 42s Mark King bekamen ebenfalls Exemplare zum Testen. Nick Beggs war vom Meidel-Bass sehr angetan und behielt ihn auch eine Zeit lang bei sich im Studio. Später bekam er (Originalwortlaut Nick Beggs) einen exzellenten Warwick Thumb Fünfsaiter von Hans-Peter Wilfer geschenkt, den er neben seinem Wal Fünfsaiter bei Ellis, Beggs & Howard nutze.

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Unser heutiger Bass trägt die Seriennummer 794, die sowohl auf der Rückseite der Kopfplatte als auch ins Elektronikfach eingestanzt ist. Es handelt sich dabei um die Modellreihe Classic, die dem Topmodel der Serienbässe von Michael Tobias entsprach. Der Zusatz „-5“ steht natürlich für die Anzahl der Saiten. Noch hochwertiger war die Modellreihe „Signature“, die es aber nicht in Serienproduktion gab, sondern nur auf Kundenwunsch. Der Hauptunterschied zur Classic-Serie liegt in der Anzahl der Holzschichten beim Hals und beim Body. Von der Soundqualität sind die Serien gleichwertig. Die Company bot neben der Signature- und Classic-Serie noch die etwas einfacheren Modellreihen T und Basic an. Alle vier Baureihen teilten sich die gleiche Korpus- und Kopfplattenform. Als „Einsteigervariante“ stand das T-Modell zur Auswahl, ein einfarbig lackierter Bass aus hochwertigem Ahorn mit einem durchgehenden, drei-streifigen Hals mit symmetrischem Profil. Alternativ konnte man den Bass auch mit „natural wood/oil finish“ bestellen. Die Hardware wurde beim T serienmäßig schwarz und in einer im Vergleich zu den anderen Baureihen einfacheren Ausführung ausgeliefert, die Elektronik bestand aus handelsüblichen Bartolini-Komponenten. Die anderen Modellreihen wurden ausschließlich mit Bartolini-Spezialanfertigungen bzw. speziell für die Tobias-Instrumente modifizierten Varianten bestückt. Die Modellreihe Basic besitzt bereits viele Merkmale der teureren Reihe Classic. Die markantesten Unterschiede liegen im Fehlen von Holzapplikationen.


BassMuseum: Tobias Classic-5 von 1989

Kommen wir zu unserem Titelhelden, der mit einer wirklich atemberaubenden Optik daherkommt. Die beiden massiven Korpusteile die an der Neck-Thru-Halskonstruktion angeleimt sind, bestehen aus Walnuss und werden mit einer Decke aus Goncola Alves, auch Tigerholz genannt, verziert. Zwischen der exotischen Edelholzdecke und den Korpusbacken liegt ein dünnes Ebenholzfurnier, das ebenfalls als optische Trennung zum Hals dient. Der Bass ist in makelloser Manier hochglanzlackiert, was der Goncola-Decke eine sehr schöne Tiefe verleiht. Bei der Bestellung eines Classics konnte der Kunde aber auch andere optisch ansprechende und klanglich geeignete Edelhölzer wählen. Selbst eine deckende Lackierung wäre möglich gewesen. Als Besonderheit ist die Ramp anzusehen, die durch den fretless-Virtuosen Gary Willis populär wurde, der Mitte/Ende der Achtzigerjahre Tobias-Bässe spielte und sich von Michael Tobias seine Bässe mit diesem Ausstattungsdetail versehen ließ. Uwe Schwidewski erzählte mir, dass Michael Tobias nur sehr wenige Bässe mit Ramps auslieferte, weil das passende Holzstück nur mit unverhältnismäßig viel Arbeitsaufwand zu fertigen war, so dass Tobias diese Option 1989 gänzlich strich. Der Aufpreis betrug seinerzeit lediglich 100,- US-Dollar. Die bereits erwähnte durchgängige Halskonstruktion in Longscale-Ausführung ist fünfteilig und besteht aus ausgesuchtem Walnussholz mit zwei ca. einen Zentimeter breiten Streifen aus Purple Heart (Amaranth) und einem dünnen Ahornfurnier in der Mitte. Das Griffbrett mit 24 hochglanzpolierten Jumbobünden ist aus Palisander und trägt Dot-Inlays aus Perlmutt. Der Sattel ist aus Knochen und verspricht dadurch einen Leersaitensound, der nahtlos an die gegriffenen Töne ankoppelt. Die charakteristische und meiner Meinung nach sehr geschmackvoll gestaltete Kopfplatte trägt ein eingelegtes Logo aus Perlmutt. Die Stimmmechaniken sind vollgekapselte M4 von Schaller, die nach wie vor einwandfrei ihren Dienst verrichten. Die serienmäßige chromfarbene Gussbrücke trägt das Tobias-Logo und ermöglicht ein servicefreundliches Einhaken der Saiten von oben. Die Oktavreinheit und Saitenhöhen sind einstellbar, die Saitenabstände dagegen nicht. Der Erstbesitzer Uwe Schwidewski hatte seinerzeit die Brücke gegen eine Version von Gotoh ausgetauscht, da die Serienbrücke aus seiner Sicht aufgrund etwas zu scharfkantiger Reiter mit der Zeit zu erhöhtem Saitenverschleiß führte.

BassMuseum: Tobias Classic-5 von 1989

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Bass Professor 1/2022, Ausgabe 106

Bass Talk


  • „Lernt zuerst die Melodie“

    Nachruf auf Gerd Mersch (1951 bis 2021)
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  • Uli Salm – Basssammelweltrekord!
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  • Herzlichen Glückwunsch zum 70igsten lieber Hellmut!
     

  • 710 Bass-Gitarren
    hat der Hamburger Bassist und Kietzwirt in 50 Jahren gesammelt.
    Einen Teil dieser Sammlung kann man in seiner Hamburger Kneipe bewundern.
    Wir werden in der kommenden Bass Professor Ausgabe ausführlich darüber berichten.
    Herzlichen Glückwunsch Uli!


     
  • 42. Leverkusener Jazztage. 04.-21-Nov 21
    Leverkusener Jazztage. -> Hier zum diesjährigen Programm

Bassisten


Aus dem Leben eines Studiobassisten! Folge 17. Für viele Bassisten war und ist der Beruf des Studiobassisten ein Traumjob. Doch leider werden Studiobassisten immer weniger gebucht, und das liegt nicht nur an der digitalen Studiotechnik. In der Serie „Aus dem Leben eines Studiobassisten“ erzählen Bassheroes kurze Anekdoten aus ihrem Alltag im Tonstudio.
-> Achim Rafain